Ottilienberg

Der Ottilienberg liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Eppingen. Die 2,08 ha große und 310 Meter hoch gelegene Waldlichtung liegt eingebettet im Eppinger Hardtwald.

Der Ottilienberg – seine Geschichte

Der Ottilienberg , eine 2,08 ha große und 310m hoch gelegene Waldlichtung streckt sich nach Westen vor den langgezogenen Höhenrücken der mit Mischwald bedeckten Eppinger Hardt. Diese geht im Südwesten in den Stromberg über und nach Osten schließt sich der Heuchelberg an. Erdgeschichtlich gesehen bildet das flache Schilfsandsteinplateau die oberste Schicht des Keupers, direkt über dem Gipskeuper, der mittleren Keuperschicht. Der Gipskeuper wiederum liegt auf dem Lettenkeuper, der untersten Keuperschicht. Die blassgelben Steine aus dem schon lange stillgelegten Steinbruch am Südrand sind weich, aber zäh. Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit wurden gefunden und man nimmt an, dass das Hochplateau schon sehr früh als Zufluchts- und Kultstätte gedient hat. Der erste Ausbau des Ringwalls erfolgte wohl während der Hallstattzeit (850 – 450 vor Chr.)
Durch den Bau der „ Eppinger Linien „ während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688 – 1697 ) durch Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden , auch „Türkenlouis“ genannt, entstand in den Jahren 1695 – 1697 ein über 80 km langer Schutz- und Verteidigungswall. Der Markgraf bestückte dabei den Ottilienberg mit Artillerie und veränderte alte Schanzen und den früheren Ringwall.
Es gilt nach Edmund Kiehnle als gesichert, dass vor der im Jahre 1473 erbauten Wallfahrtskirche eine Vorgängerkirche gestanden hat.
Die zunächst blinde, dann durch ein Wunder wieder sehend gewordene Hlg. Ottilie gilt als Schutzheilige der Blinden und Augenkranken. Ihr zu Ehren wurde auf dem elsässischen Ottilienberg (heute Mont St Odile) in den Vogesen bei Obernai das Kloster gegründet, das die Hlg. Ottilie als Äbtissin bis zu ihrem Tode 717 leitete.
Wie kam es nun zur Filiale des elsässischen Odilienklosters auf dem Eppinger Ottilienbergs?
Ritter Heinrich von Brettach hatte im benachbarten Mühlbach eine Marienkapelle errichtet und diese den Wilhelmiten des Klosters Marienthal bei Hagenau im Elsass übertragen.
Wallfahrten zur Mühlbacher Marienkapelle und zum Eppinger Ottilienberg wurden etwa ab 1290 von den Wilhelmitermönchen des damaligen Klosters Mühlbach organisiert. Die Wilhelmiten kamen vom Mutterkloster in Marienthal bei Hagenau im Elsass. Die wiederum Verbindung hatten mit dem Kloster „Sainte Odile“ in den Vogesen.
Die Stadt Eppingen hatte 1365 Niedermühlbach und 1372 Obermühlbach erworben. Das Kloster selbst wurde vom Konvent der Wilhelmiten in Hagenau erst am 3. Juli 1546 an die Stadt Eppingen verkauft, womit auch die im Jahre 1473 erbaute Ottilienkapelle in Eppinger Besitz überging. Gestiftet wurde diese nun im Eppinger Besitz befindliche Wallfahrtskapelle damals von Hans von Gemmingen auf Guttenberg und seiner Schwester Metza. Die Bauinschrift, deren Original im Eppinger Heimatmuseum zu besichtigen ist, lautet: „ Uf sant gilge, tag ward der, erst stein gelegt, meister iacob. „
Die Kirche bestand aus einem Langhaus und einem nach Osten zeigenden Chor, dazwischen der Turm. Die Ost-West-Mauern der oberen Turmhälfte sind in einem Rundbogen auf die Trennwände zum Chor und zum Kirchenschiff abgestützt. An den Turm nach Süden schließt sich die Sakristei an. Der Eingang zur Wallfahrtskirche mit schöner Steinhauerarbeit lag im Westgiebel, der heute noch zu sehen ist. Edmund Kiehnle vermutet, dass das Kirchenschiff bereits in den Wirren des 30-jährigen Krieges zerstört worden sein könnte. Übrig geblieben sind der Chor, der Stumpf des Turms und der Westgiebel.

Der Mönchsfriedhof befand sich südlich des Chores. Bis 1945 stand nördlich der Kapelle das Wohn- und ein Wirtschaftsgebäude. „Das Bild“ in Mühlbach ist noch die einzige Kreuzwegstation. Wie schon gesagt, verkaufte das Mutterkloster der Wilhelmiten in Hagenau im Jahre 1546 das Mühlbacher Kloster und den Ottilienberg an die Stadt Eppingen.
Die Reformation brachte die Wallfahrten zum Erliegen.
Im Verlauf des 16./17./18. Jahrhunderts wurde das Ökonomiegebäude als Forstgehöft oder Jägerhaus benutzt. Im Jahre 1591 zum Beispiel nahmen der Ottilienberger Bruder oder Waldknecht Joseph Clee und Marx Sohner , Waldschütz und Forstknecht der Eppinger Hardt, ihre Dienste auf dem Ottilienberg auf. Im Jahre 1835 wird Förster Harflinger als letzter genannt. Aus jener Zeit stammt vermutlich auch der Begriff „Jägersberg“ im Volksmund für den Ottilienberg und zugleich der „Jägersee“, für den etwa 100m unterhalb des Berges gelegenen See, den die Mönche angelegt hatten, um für die Fastenzeit Fische zu haben. Nach langen Jahren der Trockenlegung wurde erst im Jahre 1951 der ehemals durchstochene Damm wieder instand gesetzt, weil ein Regenrückhaltebecken benötigt wurde.
Ab 1750 fanden auch wieder kleinere Wallfahrten und ab 1769 Sonntagsprozessionen auf dem Berg statt.
Im Jahre 1782 schloss der oben wohnende Förster die Kapelle. Der Kirchhof wurde Garten.
1785 wurden Baumaßnahmen am „Jägerhaus“ d.h. Fachwerkobergeschoss des Wohnteils durchgeführt.
Anfang 19.Jahrhundert Neuverpachtung: der jeweilige Bezirksförster hatte Wohnung und Ackernahrung des Ottilienbergs inne, sogar mit Realwirtschaftsrecht, das dann 1855 an die Stadt kam. Diese verpachtete die Liegenschaft und die Gaststätte. Der Förster erhielt eine feste Besoldung.
1926/28 entstand ein neuer Anschluss an die Kleingartacher Straße. Im Zuge davon wurden kleinere Gebäuderenovierungen durchgeführt.
1930/31: Installation einer Wasserleitung mit Quellbohrung im Tal. Pumpe förderte das Wasser in einen Stahltank im Turm.
20iger und 30iger Jahre im 20. Jahrhundert bis Kriegsausbruch: „Jägersberg“ war beliebtes Ausflugsziel insbesondere für das Zabergäu. „Jägersberg-Kärwe“ an Himmelfahrt. Hier sehen wir wieder den Zusammenhang mit Mühlbach und dem Elsass. Denn die Mühlbacher Kerwe findet an Pfingstmontag wie in Marienthal / Hagenau statt.
Mittlerweile trat an die Stelle des Försters ein Land- und Gastwirt als Pächter. Östlich der Kapelle stand ein Schweinestall. Die Kapelle selbst diente als Heuschober. Der Kirchenschiffrest mit gemauertem Backofen diente als Nebengebäude für die Landwirtschaft, die im Ostflügel des ehemaligen Klostergehöfts untergebracht war. Im Westflügel im Erdgeschoss befand sich die Gaststätte und Küche, im Obergeschoss dann die Pächterwohnung. Ein- oder zwei Fremdenzimmer standen auch zur Verfügung.
Weitere Baumaßnahmen in diesen Jahren: 12 x 8m große Trinkhalle, kleiner Ausschankpavillon und Freitanzfläche.
In den letzten Kriegstagen 1945 wurde die Kapelle in Brand geschossen und das Anwesen zerstört.
Nach 1945 fand Enttrümmerung und notdürftige Abdeckung der Gebäude statt. Darin fand bis 1958 Landwirt und Holzfuhrunternehmer Holaschke aus Neutitschein (Kuhländchen/Mähren) Unterkunft und als Holzfuhrmann eine neue Existenz. Die Familie war im Besitz einer Kuh, zwei Pferden, zwei Geißen, zehn bis zwölf Hühnern und zwei bis drei Schweinen. Auf der freien Ackerfläche ( heute Streuobstwiese ) wurden je nach Bedarf Weizen, Rüben oder Kartoffeln angebaut. Die Familie besserte außerdem ihr Einkommen auf durch Bewirtung mit Butterbrot und Ei, oder Schwartenmagen. An bestimmten Tagen, wie z.B. Ostern, 1. Mai, Christi Himmelfahrt wurden auf dem Eppinger Hausberg Feste mit Musik, Tanz und Bewirtung gefeiert. Am 1. Mai wurde dort oben noch der früher übliche Maibaum gestellt. Am Schluss des Wonnemonats kam dann sein Ende.

Das Wohngebäude der Familie befand sich gegenüber der Kapelle im heute offenen Teil des ehemaligen Eingangsbereichs der Wallfahrtskirche. Im damaligen Stallgebäude hat heute seit 1976 der Odenwaldclub sein Zuhause. Der tägliche Schulweg der drei Söhne (z.B.Gerhard ,Jahrgang 1937) führte zu Fuß vom Ottilienberg bis nach Eppingen (ca. 3 km) und wieder zurück.. Die Familie Holaschke verließ 1958 den Ottilienberg in Richtung Obergimpern. Dort bewirtschaftete sie einen Aussiedlerhof.
Um den Wirtschaftsbetrieb vom Kapellenbezirk fernzuhalten beschloss 1951 der Gemeinderat am Westrand ein Gebäude zu errichten. Der Rohbau wurde in den Jahren 1950/51 hingestellt. In diesem unfertigen Zustand ging er dann 1955 an das Betreuungs- und Erholungswerk für Hirnverletzte e.V. KA über. In diesem Jahr ließ Stadtbaumeister Kiehnle die Kapelle instand setzen und den Turm renovieren. Nun konnte der Turm von außerhalb des Chorraums bestiegen werden, um die herrliche Aussicht über Teile des südlichen Kraichgaus genießen zu können. Der Betreuungsverein für Hirnverletzte wurde vom Paritätischen Wohlfahrtsverband abgelöst. Ein Hotelier und die Deutsche Bierdeckel-Sammlerbörse waren weitere kurze Zwischenpächter.
Am 23. 07.1964 stand in der Eppinger Zeitung: „.....Haus Ottilienberg an Sonn-und Feiertagen geöffnet......August Ziegler und Frau, zum Ratskeller.“

Nach dem Christlichen Jugenddorf Deutschlands pachtet die IHK Karlsruhe zunächst das Gebäude, um ein Ausbildungszentrum für die Wirtschaft einzurichten.
Im Jahr 1966 kam es zu einem Vertrag zwischen der Stadtverwaltung , der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde wegen kirchlichen Veranstaltungen. Seitdem finden auch ökumenische Gottesdienste im Freien vor dem Kapellenchor statt.
1967:Die IHK Karlsruhe erwirbt das neue Gaststättengebäude und löst 1978 die Gaststättenverpflichtung bei der Stadt ab.
Bauliche Erweiterungen werden vorgenommen. Die Modernisierung der Wasserversorgung durch den Anschluss an den neuen städtischen Hochbehälter auf dem Essigberg wurde 1976 durchgeführt.
Ab1976 beginnt der Odenwaldclub Eppingen mit dem Ausbau des ehemaligen Stallgebäudes im Kapellenbezirk zum Wanderheim.
Heute befindet sich in den zahlreichen Gebäuden auf der Westseite des Plateaus die Arnold-Dannemann-Akademie mit der zentralen Ausbildungs- und Weiterbildungsstätte des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands(CJD).

Quellen:
1. Wikipedia Stichwort „Ottilienberg“
Edmund Kiehnle, Der Ottilienberg zu Eppingen in Rund um den Ottilienberg 1 Seite 35 bis 48
Karl Dettling, 700 Jahre Mühlbach in Eppinger stadtgeschichtliche Veröffentlichungen Band 2
Franz Gehrig, Jagdleidenschaft in Eppingen in Rund um den Ottilienberg 2 Seite 121 bis 127

Anschrift

Odenwaldclub Eppingen e.V.

Telefon 07262 / 601 298

Burgruine Staufen im Markgräflerland